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„Alleine was Smart Building zur Energiewende beitragen kann, ist beachtlich“

Interview mit Anne-Caroline Erbstößer zu ihrem neuen Report „Smart Buildings im Internet der Dinge". Die digitale Zukunft von Gebäuden.

In Deiner neuen Studie hast Du Dich mit Smart Buildings beschäftigt. Das Garagentor mit einer Fernbedienung zu öffnen, ist ja schon ziemlich lange möglich. Was ist denn der Unterschied zwischen moderner Gebäudetechnik und Smart Building? 

Tatsächlich gehören die Gebäudetechniker traditionell zu einer sehr spezialisierten Teilbranche und haben schon jahrzehntelang im Gebäude automatisiert, was zu automatisieren ist. Allerdings in erster Linie nicht das Wohngebäude, sondern Gewerbebauten wie Fabriken, Bürogebäude oder Hotels. Das Garagentor, das sich per Fernbedienung oder Lichtschranke öffnen und schließen lässt, ist ein schönes Beispiel, um den Unterschied zwischen Automatisierung und intelligenter Vernetzung zu erklären.

Ein Garagentor ist noch nicht smart, nur weil es sich ferngesteuert oder immer werktags um 8.30 Uhr öffnet. Smart wird es, wenn es sich öffnet, weil es beispielsweise vom sich nähernden Auto ein Signal erhalten hat – und zwar ohne dass jemand auf einen Knopf gedrückt hat. Im smarten Gebäude kommunizieren die technischen Geräte miteinander. Sie schicken anderen Geräten Daten, sie werten Daten aus und steuern Prozesse eigenständig – und dies so effizient, wie es ein Mensch nie könnte. 

Ein smartes Garagentor ist eine technische Spielerei. Aber im Gebäude gibt es auch eine Heizungsanlage, es gibt einen Stromkreis und eine Warmwasserversorgung. Für diese Anlagen, die ganz andere Dimensionen aufweisen, ist eine effiziente Bewirtschaftung von großer Bedeutung. Rund 40 Prozent der Primärenergie fließt in die Gebäudetechnik. Wenn diese smart gesteuert wird – beispielsweise, weil das Smart Grid je nach Wetterlage den günstigsten Energiemix aus Sonnen-, Wind- und herkömmlicher Energie berechnen und bereitstellen kann – können wir viel effizienter und nachhaltiger mit unseren Ressourcen umgehen.

Wer neu baut, sollte deshalb unbedingt smarte Technologien einbeziehen: für den Bauprozess, vor allem aber auch für die Haustechnik. Das rechnet sich. Und es rechnet sich sogar die Nachrüstung im Bestand. Experten schätzen, dass sich alleine durch die Digitalisierung der Heizungsanlagen je nach Stand der vorhandenen Anlage zwischen 14 und 26 Prozent Energie einsparen lassen.

Für Berlin hast Du über 100 Firmen recherchiert, deren Geschäftsidee mit der Digitalisierung von Gebäuden zu tun hat. Hast Du Beispiele?

Ja, in der Studie kommen einige der Unternehmen sogar mit Gastbeiträgen zu Wort. Die Geschäftsideen reichen von der Digitalisierung von Hotels - da meldet die Minibar, wenn die Getränke ausgehen - eine sinnvolle Anwendung des berühmten selbstständig bestellenden Kühlschranks, die als Minibar bereits aus dem Jahr 1988 stammt - bis zur in der Cloud gehosteten Plattform, die Betriebsdaten auswertet und über ein zwischengeschaltetes Gateway steuert. 

Außerdem zeigt Dr. Olga Willner von DB Stations & Service am Beispiel der Bahnhofsuhr, wie Wartung und Instandsetzung von Gebäudetechnik smart werden kann. Ein Beitrag aus der TTN-Community stellt LoRaWAN, ein community-basiertes IoT-Funknetzwerk vor und vieles mehr.

Weitere spannende Beispiele finden sich in im Report, der von der Senatsverwaltung für Wirtschaft, Energie und Betriebe gefördert wurde.

Smart Buildings

Digitale Darstellung eines Menschen, der eine Heizanlage bedient.

Die Publikation zeigt, was heute möglich ist, welche Trends es gibt und stellt konkrete Beispiele für Smart-Building-Innovationen aus Berlin vor.


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