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Datenpotenziale nutzen, jenseits herkömmlicher Software denken und arbeiten

  • Rubrik Aus der Stiftung
  • Veröffentlichungsdatum 30.03.2023
Frauke Nippel

Konventionelle Software erfreut sich in deutschen Unternehmen immer noch großer Beliebtheit: Mit Programmen, die keine oder nur wenige Schnittstellen haben, werden anfallende Daten erfasst und gepflegt. Wer mit den Daten weiterarbeiten will, muss sie mühevoll neu aufbereiten. Hier braucht es neue Kompetenzen, die viele Unternehmen gerade erst aufbauen. Die Mühe lohnt sich. Beim Fördervereinsabend am 21.03. stellte Dr. Anett Kuntosch ihre neue Studie „Datenpotenziale“ vor. Zudem zeigten zwei Unternehmer, wie man Daten nutzbringend für das eigene Unternehmen einsetzen kann.

Xaver von Treyer baut in seinem Unternehmen Bockstein Bikes Fahrräder, die auf die jeweiligen Fahrerinnen und Fahrer möglichst individuell zugeschnitten werden. Klar, dass er viel messen und rechnen muss, um das optimale Fahrrad zu konzipieren. Doch auch für Stadträder, die er zukünftig in größeren Stückmengen produzieren will, denkt er an Daten, zum Beispiel, um eine energiearme und für Diebe nicht zu knackende Verfolgung zu ermöglichen. Die neue Sicherheitstechnik sollte ein Bestandteil des Fahrrads sein, keine Komponente, die dem Fahrrad später zugefügt werden muss. Denn ohne eine gute Sicherung gegen Diebstahl werden es hochwertige Fahrräder wie seine auf dem Markt nicht schaffen. Davon ist Xaver von Treyer überzeugt.

Auch Dr. Patrick Bergmann denkt zuerst an Daten, die er nutzen und teilen will, auch wenn es bei seiner Tätigkeit vor allem um analoge Baumaterialien in einer eher konservativen Branche geht. Für deren nachhaltige Nutzung hat die Madaster Germany GmbH eine Software entwickelt, die vom Rohstoffmarkt über das Baumanagement bis zum Recycling der Materialien alle wichtigen Aspekte der Baumaterialwirtschaft digitalisiert und im Kontakt mit dem Kunden dann immer wieder an Grenzen stößt, weil in den Betrieben mit Excel-Tabellen gearbeitet wird oder für einzelne Betriebsbereiche digitale Inseln entstanden sind, die über keine Schnittstellen zur Außenwelt verfügen.

90 Prozent der Unternehmen, so zitierte Dr. Anett Kuntosch die Ergebnisse ihrer Studie, haben immer noch Probleme, den Wert ihrer Daten zu erkennen und diese zu verwerten. Daher fällt ihnen auch das Teilen von Daten mit anderen Unternehmen schwer. Während junge Startups eine strategische Datennutzung mittlerweile oft von Anfang an mitdenken, muss das Thema in vielen etablierten Unternehmen noch integriert werden. Sie sind immer noch als Einsteiger zu betrachten. Doch auch wenn die Entwicklung einer Strategie Zeit und Ressourcen kostet: Es ist wichtig, um in der Datenökonomie erfolgreich agieren zu können – dafür standen nicht nur die Referenten des Abends, darüber waren sich auch die Besucher:innen des Fördervereinsabends einig.

Nach einer durch Corona erzwungenen Pause bildete der Abend für den Förderverein den gelungenen Start ins Jahr 2023, in dem es wieder mehr solcher erkenntnisreicher Diskussions- und Vernetzungsmöglichkeiten geben soll. Dies kündigte der stellvertretende Vorsitzende des Fördervereins. Prof. Dr. Semlinger an, der durch den Abend führte und dafür sorgte, dass vor allem Fragen beleuchtet wurden, die für kleine und mittlere Unternehmen mit der Transformation verbunden sind.

Der nächste Termin steht schon: Am 18.04. wird der Förderverein vor Ort in Tegel sein und sich von Dr. Stefan Höffken, dem Leiter Digitalisierung bei der Tegel Projekt GmbH erläutern lassen, was hinter dem Vorhaben steht, „die digitale Stadt (zu) gestalten, die dem Menschen dient“, wie es im Vorwort des Leitbildes der FUTR HUB Berlin TXL heißt.

Noch einmal möchte der Förderverein die Veranstaltung auch für Nicht-Mitglieder öffnen. Bei Interesse bitte melden bei frauke.nippel[at]ts.berlin.